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Aktuelles 2011
Januar 2011
Wie 2010 begann auch das Jahr 2011 mit gigantischen Schneebergen und eisiger Kälte.
Die Betreuer auf unserem Pferdeschutzhof Korschenbroich bei Mönchengladbach blieben einmal
sogar auf dem Weg zum Hof auf der öffentlichen Straße mit dem Auto stecken und mussten das
Auto freischaufeln. Denn am Niederrhein gab es schon seit Jahren nicht mehr solche Schneemengen,
so dass der öffentliche Straßendienst hoffnungslos überfordert war.
Des einen Leid ist des anderen Freud - während Autofahrer und Fußgänger überall so ihre liebe
Not mit dem vielen Schnee hatten, vergnügten sich unsere Pferde in der weißen Pracht.
Hier die beiden Clowns Douby (links) und Silver beim Spiel „Wassertrog ausschütten und Rumtragen gegen
Langeweile“.
Unsere Stute Dunja in der sauerländischen Pflegestelle Essinghausen konnte sich sogar
über unerwarteten Weidegang freuen, weil die Schneedecke im Sauerland so dick geworden war,
dass die sonst sehr empfindliche Grasnarbe genügend Schutz hatte. Obwohl natürlich kein Hälmchen
Gras zu ergattern war, fühlten sich die Pferde auf der großen Weide einfach viel wohler als auf
dem kleineren Winterpaddock…
Warm eingepackt in zwei Decken stapfte also auch Dunja äußerst vergnügt durch den
Schnee… Stärken konnten sich die Pferde zwischendurch an der Heuraufe, die mit vom Paddock
auf die Weide umgezogen war.
Es dauerte aber nicht lange, da erreichte uns schon wieder ein Hilferuf.
Pferdefreunde hatten vier Haflingerpferde vor dem Schlachter freigekauft in der Hoffnung,
sie in gute Hände vermitteln zu können.
Fatalerweise räumt dieser Pferdemetzger und Händler den Tierschützern auch immer besonders
großzügige Fristen ein, bis sie den Kaufpreis bezahlen müssen.
Das klingt zwar nett, verführt aber natürlich erst recht dazu, Pferde freizukaufen.
Und der Händler verlangt grundsätzlich mehr Geld von dem Käufer, als er selbst für das Pferd
bezahlt hat. D.h die Freikäufer unterstützen eigentlich den Pferdehandel noch und stürzen somit
andere Pferde ins Elend, denn von seinem Gewinn kauft der Händler natürlich wiederum Pferde.
In diesem Fall war es aber nun mal passiert und es gelang diesen umgemein engagierten Menschen
sogar, für drei der vier Haflinger schnell gute Plätze zu finden und der „Schlachtpreis“ wurde von den Übernehmern der Tiere auch
bezahlt. Aber die vierte Stute, Mia, entwickelte sich zu einem richtigen Pflegefall.
Sie war die kleinste von den vieren und viel zu früh von ihrer Mutter getrennt worden. Denn die
Betreuer stellten zu ihrem Schrecken fest, dass das arme kleine Pferdemädchen gar nicht in der
Lage war, zu fressen! Die Natur hat es zum Schutz der Fohlen nämlich so eingerichtet, dass diese
in den ersten Lebenswochen nicht schlucken können, wenn sie den Kopf am Boden haben. Das soll die
Pferdekinder davor bewahren, Gras zu fressen, bevor sie es verdauen können. Leider hat Mutter
Natur nicht einkalkuliert, dass es bösartige Menschen gibt, die Fohlen der Mutter wegnehmen,
solange diese eigentlich noch Muttermilch brauchen.
Mit unendlich viel Geduld, Zeitaufwand und spezieller Milch aus der Flasche brachten die Tierschützer Mia zwar durch, aber leider erkrankte
sie kurz darauf an einer Bronchitis. Das lag nicht an der Betreuung der Tierschützer, die hatten
alles richtig gemacht, aber Mias Immunsystem war durch die fehlende Muttermilch eben besonders
schlecht entwickelt.
Ein krankes Jungpferd möchte natürlich niemand haben und eine Ortsumstellung hätte Mia
wahrscheinlich unter diesen Umständen womöglich das Leben gekostet. Das teuere Spezialfutter und
die Stallmiete war für das Budget von Mias Rettern seinerzeit aber eigentlich schon zu viel, da sie schon mehrere
gerettete Pferde in ihrer Obhut hatten. Sie hätten zu diesem Zeitpunkt
den Tierarzt für die Behandlung von Mias Bronchitis nicht bezahlen können.
Obwohl es die Spendenlage eigentlich nicht zuließ, sprang Schutzengel für Tiere in die Bresche,
denn ein schon gerettetes Tier aus Geldmangel an den Schlachter zurückgeben zu müssen, das wäre
unerträglich gewesen.
Mias Retter mussten hoch und heilig versprechen, nie wieder ein Pferd freizukaufen. Denn das ist
wirklich ein Fass ohne Boden.
Die hübsche Haflingerstute lebt nun mit finanzieller Unterstützung durch Schutzengel für Tiere in
einem großen Stall bei Lünen (Nähe Dortmund), liebevoll und ehrenamtlich betreut von den Tierschützern,
die Mia seinerzeit beim Schlachter weggeholt hatten. Andrea und Ralf herzlichen Dank für ihren Einsatz und den Stallbesitzern
Danke für das Entgegenkommen beim Pensionspreis!
Inzwischen ist Mia ein Jahr alt und erfreulicherweise kräftig gewachsen. Dieses
Foto zeigt sie im Mai 2011.
Mia soll in liebevolle Hände vermittelt werden, denn natürlich gehört ein junges und gesundes Pferd eigentlich nicht in einen
Tierschutzverein.
Leider kann man Haflingerpferde aber vor ihrem vierten Lebensjahr nicht reiten und fast jeder
kauft sich ein Pferd nun mal zu diesem Zwecke.
Deshalb wird ein Pferd für die allermeisten Reiter leider erst interessant, wenn es drei Jahre
alt ist.
Es ist schon merkwürdig – alle Welt kauft sich immer Hundewelpen (obwohl die meisten Menschen von
Hundeerziehung herzlich wenig Ahnung haben). Aber es ist doch sooooo schön, wenn man einen Hund
von Anfang an hat!
Später landen etliche Hunde dann – oft nicht sozialisiert- im Tierheim und haben es oft extrem
schwer, noch ein neues Zuhause zu finden.
Bei Pferden sehen es die Menschen offenbar anders, vermutlich schlicht und ergreifend, weil
ein Pferd teurer im Unterhalt ist als ein Hund. Da will man dann nicht schon zwei Jahre lang
Futterkosten „investieren“, wenn man noch keinen „Nutzen“ von dem Tier hat. Muss man denn zu einem
Pferd nicht genauso ein Vertrauensverhältnis aufbauen wie zu einem Hund??? Vor allem, wenn man
das Pferd später einigermaßen sicher reiten können möchte???
Leider gibt es bislang noch keine Interessenten für Mia und sie wird wohl noch eine ganze Weile
bei uns bleiben.
Wir suchen deshalb dringend Paten für Mia.
Februar 2011
Aus dem Münsterland kamen die Ziegen Hanni und Nanni sowie ihr Heidschnucken-Kumpel
"Wolle" zu uns.
Er verdankt diesen Namen seiner unglaublichen Haar- oder eher besser gesagt
„Wollpracht“, denn leider hatte ihn seine Besitzerin zwei Jahre lang nicht scheren lassen.
Wolle hatte einen Freund, Willi, der im heißen Sommer 2010 an Herzversagen, vermutlich wegen
Überhitzung, gestorben war. Danach hatte Wolle dann nur noch die Ziegen Hanni und Nanni
als Gefährten und folgte ihnen fortan auf Schritt und Tritt. Das war in ihrem alten Zuhause auch nicht so schwierig, denn es gab keine schaf- bzw. ziegensicheren Zäune.
Zaunlose Ziegenhaltung ist immer sehr unterhaltsam für die Ziegen, aber ganz schlecht für
Blumenbeete und Nachbargärten. Denn Ziegen (besonders Zwergziegen) sind ungemein
unternehmungslustig und mindestens ebenso dreist.
Die Hofbesitzerin war bald am Rande eines Nervenzusammenbruchs und hatte die Ziegen eigentlich
nur ihrer Besitzerin zuliebe aufgenommen.
Diese wiederum war – im Gegensatz zu der Hofbesitzerin- eine patente und erfahrene Tierhalterin
und bot sofort an, beim Zaunbau zu helfen, um die Ziegen in ihre Schranke zu weisen und den
Frieden auf dem Hof wiederherzustellen. Sie hatte auch immer Pensionsgeld für ihre Ziegen bezahlt.
Das Unternehmen Zaunbau scheiterte aber leider daran, dass zum geplanten Termin leider kein
Material von der Hofbesitzerin eingekauft worden war.
Sie kannte aber Schutzengel für Tiere und bat uns händeringend, die Ziegen und das Schaf
aufzunehmen. Die Besitzerin der Ziegen bot auch an, das Trio in unsere Ziegen- und
Schafpflegestelle im Hunsrück zu transportieren.
Mitte Februar hielten Wolle, Hanni und Nanni also dann in Simmern Einzug.
Passend zu der bisherigen leicht chaotischen Haltung war Wolle natürlich auch noch unkastriert,
weshalb er auf keinen Fall zu unseren Heidschnucken durfte.
Denn Nachwuchs der Patentiere untereinander ist natürlich strengstens verboten
(weil kontraproduktiv für den Tierschutz, das Elend ist schließlich groß genug).
Erst war deshalb geplant, die drei Neuankömmlinge bis zur Kastration von Wolle im Ziegengehege
unterzubringen, denn Ziegen und Schafe können sich nicht miteinander fortpflanzen. Das war Wolle
aber ganz egal, er bestieg alle Ziegen, was unsere Ziegenböcke Mikesch, Justus, Rocky und Rambo
gar nicht witzig fanden und sofort war eine Riesenkeilerei im Gange. Das hätte auf die Dauer zu
Verletzungen geführt, weil Wolle ein sehr kräftiger Bock ist und außerdem waren alle Tiere
sichtbar unglücklich.
Also zogen Wolle, Hanni und Nanni wieder aus dem Ziegengehege aus und in den Krankenstall um.
Der ist aber eher klein, weil eben eigentlich nur für kranke Tiere gedacht, die sich schonen
sollen.
In diesem Fall aber war das ganz gut, denn der kleine Stall bot keine Anlauffläche für Ziege
Nanni. Wir mussten nämlich feststellen, dass die kleine weiße Maus über ungeahnte Fähigkeiten
im Hochsprung verfügt. Mit Anlauf überwindet sie mühelos 1,40m!
So hoch ist nämlich der Zaun um unser Ziegengehege…
Betreuer Christian hätte vier Wochen vorher auch nicht geahnt, dass er ab Februar jeden Tag einen
ausgedehnten Waldsparziergang mit einer Ziege an der Leine und einem Schaf samt zweiter Ziege im
Schlepptau unternehmen würde.
Nanni ist nämlich glücklicherweise in ihrer Leinenführigkeit genauso perfekt wie im Springen.
Und Hanni und Wolle folgen ihr überall hin.
Das war ein Glücksfall, denn die drei Tiere brauchten natürlich auch Auslauf, aber ohne
Hochsprungmöglichkeiten für Nanni.
Wenige Tage später hatte Wolle seinen Kastrationstermin in der Gießener Uniklinik und die
Betreuer machten sich daran, den Zaun um das Ziegengehege um einen Meter zu erhöhen. Denn Nanni
fand nach ihrem Sprung aus dem Gehege grundsätzlich nicht den Weg zurück und heftete sich zu
allem Überfluß auch noch an die Fersen eines jeden Spaziergängers, der an dem Gehege vorbeikam.
Nach zwei Tagen Arbeit war der „Ziegen-Hochsicherheitstrakt“ fertig (Materialkosten: € 250,-)
und Wolle frisch kastriert aus der Klinik zurück. Kastrierte Böcke sind aber danach theoretisch
noch sechs Wochen lang zeugungsfähig, deshalb durfte Wolle noch nicht zu unseren Heidschnucken.
Alleine konnte man ihn aber im Krankenstall natürlich auch nicht lassen und so blieb es noch
sechs Wochen bei den alltäglichen Spaziergängen des lustigen Quartetts Christian, Hanni, Nanni
und Wolle.
Ende März durfte Wolle dann auf die Schafweide umziehen und es ist schön zu sehen, wie wohl er
(auf dem Foto in der Mitte) sich nun bei seinen natürlichen Artgenossen fühlt.
Hanni und Nanni leben genauso zufrieden im Ziegengehege.
März 2011
Anfang März mussten wir tragischerweise die Stute Jule einschläfern lassen.
Sie war auf dem noch im vergangenen Herbst mit neuen Hackschnitzeln eigentlich rutschsicheren
Winterpaddock ausgerutscht und hatte sich einen schweren Muskelfaserriß am linken Hinterbein
zugezogen.
Die ersten Tage nach dem Unfall war die Tierärztin noch ganz zuversichtlich, dass Jule wieder
würde laufen können. Sie durfte sich nur zunächst nicht hinlegen, da das verletzte Bein dabei
noch größeren Schaden nehmen könnte.
Entzündungshemmer, Schmerzmittel und eine Wärmedecke zur Unterstützung der verspannten
Rückenmuskulatur zeigten auch zunächst hoffnungsvolle Wirkung. Jule stand prima auf ihrem
so weich wie möglich gepolsterten Krankenlager zur Entlastung ihrer Beine und vorsichtshalber
fuhren die Betreuer auch nachts einmal zum Hof, um nach ihr zu sehen. Am vierten Morgen nach
dem Unfall fanden sie sie frühmorgens dann leider doch liegend vor und die befürchtete
Verschlimmerung der Verletzung war eingetreten.
Deshalb ließen wir sie sofort erlösen. Vielleicht wäre es besser gewesen, sie gleich nach
dem Unfall einschläfern zu lassen, aber Jule war ein so tapferes und lebensfrohes Pferd. Und
wenn man nicht alles versucht, macht man sich ewig Gedanken, zu früh eingeschläfert zu haben,
was für das Seelenheil eines Tieres gar nicht gut ist.
Andreas, Karin, Manuela, Frau Büchsenmann, Frau Dr.Schröder-Böhme, Frau Rapp, Herrn Clemens und Herrn Schauf ganz herzlichen Dank dafür, dass sie
alle so viel Zeit und Liebe gegeben haben, um Jule zu retten, leider hat es nicht sollen sein.
Besonders traurig: Jule war erst 22 Jahre alt und auch nur fünf Monate bei uns.
Kurz nach Jules Tod begann unsere älteste Stute auf dem Pferdehof, Mandy, Alzheimer
Symptome zu entwickeln. Manchmal vergaß sie, zu fressen oder lief auf dem Weg zum Stall
in die falsche Richtung. Aber Schmerzen hatte sie ganz offenbar nicht.
Wir beschlossen, solange Mandy noch bei uns war, kein neues Pferd auf dem Hof aufzunehmen,
denn das bedeutet viel Unruhe und Gerenne auf der Weide, unter Umständen auch kleine Rangkämpfe
unter den Stuten. Das wäre für Mandy eine zu große Belastung und könnte ihrem Leben unter
Umständen vorzeitig ein Ende setzen. Zwar ist eine leerstehende Box traurig und auch wir
möchten natürlich eigentlich so schnell wie möglich wieder einem Pferd in Not helfen, aber
bei uns hat das Wohl der schon bei uns lebenden Tiere immer Priorität.
Bald darauf gab es einen Rindernotfall im Sauerland:
Ein Sauerländer Landwirt, der schon lange im Visier des hiesigen Veterinäramtes war, stand vor
Gericht, weil es mit der Sauberkeit auf seinem Hof schwer haperte. Auch seine Zäune hielt er
nicht instand und wenn es den Kühen im Stall zu dreckig war, gingen sie lieber auf der Dorfstraße
und in Vorgärten spazieren.
Das geht natürlich nicht und so kam es zum Prozeß.
Leider war der Landwirt mehr als stur (da ist er nicht der einzige Bauer im Sauerland und
nicht nur dort) und ließ den Dingen seinen Lauf, dachte gar nicht daran, die Auflagen des
Veterinäramtes zu erfüllen.
Seine Kühe hatten noch Glück im Unglück, denn es gab eine Frau auf dem Hof, die nach Kräften
alles in ihrer Macht stehende für die Kühe tat. Sie war seit über 10 Jahren auf dem Hof,
ursprünglich, um die Mutter des Bauern zu pflegen, nach deren Tod blieb sie - &xnbsp;den Kühen zuliebe.
Sie sorgte dafür, dass der Tierarzt kam, wenn nötig und betreute die Tiere, so gut sie
konnte.
Leider gelang es ihr aber nicht, dem Bauern Beine zu machen und nachdem der auch noch im
vergangenen Herbst von seinem Bullen schwer verletzt wurde, ging es mit der Ordnung auf dem
Hof immer weiter bergab.
Die Situation mit den Behörden spitzte sich zu und beim Ortstermin auf dem Hof schlug der Richter
die Hände über dem Kopf zusammen.
Eigentlich positiv, wenn endlich einmal gehandelt wird, oft genug hat man leider den Eindruck,
dass die Veterinäramter den Kopf in den Sand stecken. Die Beschlagnahmung eines Tierbestandes
findet jedenfalls eher selten statt.
Hier war es nur sehr bedrückend, weil die Tiere eigentlich - dank der Frau K.- immer genug zu
fressen bekamen und auch tierärztlich betreut wurden.
Das Veterinäramt griff wohl eher aus hygienischen Gründen durch, weil die Kälber durch die
Milchkammer flitzten und auf dem Futtertisch schliefen und die Nachbarn fast Amok liefen wegen
ihrer Vorgärten.
Ein Tierhalteverbot wurde ausgesprochen, der Bauer musste alle Tiere verkaufen.
Daran ist auch festzumachen, dass es den Tieren vom Futterzustand her gut ging, sonst
hätte sie gar kein Händler haben wollen.
Die Frau K. hatte sich im Laufe der Zeit damit abfinden müssen, dass Kühe an den Schlachthof
verkauft werden, aber nun war es noch etwas anderes, weil alle Tiere auf einmal den Hof
verlassen sollten.
Sie hatte eine Lieblingskuh, Madeleine, 16 Jahre alt, die sie seit ihrem ersten Tag auf dem
Hof begleitet hatte.
Die wollte sie um jeden Preis retten und am liebsten auch noch
andere, besonders die älteren Tiere.
"Ihr" Bauer hielt das zwar für total verrückt, legte ihr aber glücklicherweise auch keine
Steine in den Weg.
Das Veterinäramt, genervt von der sturen Art des Bauern, setzte aber eine sehr kurze Frist für
den Verkauf der Tiere - nur fünf Tage nach der Gerichtsverhandlung mussten alle Tiere den Hof
verlassen haben.
So hatte die Frau keine Zeit, eine Lösung für noch mehr Tiere zu finden, da auch die Weidesaison
für die Kühe noch nicht begonnen hatte. Sonst hätten unter Umständen noch mehr Tiere untergebracht
werden können, bei uns war im Winterstall leider auch nur ein Platz frei. So konnte "nur"
Madeleines Leben gerettet werden.
Frau K. gelang es aber immerhin, zu erreichen, dass drei der ältesten Kühe auf dem Hof
eingeschläfert wurden. So blieb wenigstens ihnen der Transport zum Schlachthof erspart.
Als ob das nicht alles belastend genug gewesen wäre, baten der Amtsveterinär und der Händler sie
auch noch, beim Verladen der Tiere zu helfen, weil sie ihr vertrauten. Das war furchtbar für sie,
aber um den Tieren wenigstens Schläge und Tritte noch ersparen zu können, willigte sie ein.
Der Abholtermin war aber an dem Tag, als wir eigentlich Madeleine nach Rehden bringen wollten,
der letzte Tag vor Ablauf der Frist.
So musste traurigerweise auch Madeleine zunächst auf den LKW und in den Stall des Händlers, denn
sie konnte und durfte nicht alleine auf dem Hof bleiben. Frau K. war glücklicherweise pfiffig
genug, Madeleines Pass zu behalten, denn bei einem Tierhändler kann man nie wissen.
Der Händler verhielt sich aber zumindest insoweit anständig und half auch beim Verladen von
Madeleine, als wir sie am nächsten Tag dort abholten. Entsetzlich war es aber natürlich für
Frau K., im Händlerstall alle ihr so vertrauten Rinder zu sehen und zu wissen, dass wir nur
Madeleine mitnehmen durften.
Auch Petra musste sich - wie so oft- immer wieder sagen: "Jedes einzelne Leben zählt!" und
"Denke an das Tier, dass Du retten konntest und nicht an die, die in den Tod gehen müssen.
Es sind einfach zu viele...."
Wie immer hatte sie anschließend ein mulmiges Gefühl beim Transport, denn eine so schwere Kuh
ist eigentlich sicherer im LKW aufgehoben als in unserem einfachen Pferdeanhänger. Und
schließlich hatte die arme Madeleine ja nun erst am Tag zuvor einen Transport mitmachen müssen.
Aber wie immer ging auch diesmal alles gut, scheinbar merken die Tiere doch irgendwie, dass sie
in unserem Anhänger auf dem Weg in ein besseres Leben sind und bleiben ruhig. &xnbsp; &xnbsp;
Madeleine hat sich erfreulicherweise schnell in unserer Pflegestelle eingelebt und fühlt sich
sichtlich wohl. Und ihre Besitzerin ist glücklich, dass wenigstens Madeleine gerettet werden konnte.
Hier sehen Sie sie mit ihrer Kuh bei einem Besuch im Mai. Im Vordergrund Hofhund Nick,
der grundsätzlich alle Besucher auf Schritt und Tritt mit seinem Bällchen verfolgt und
zum Spielen auffordert.
Leider verabschiedeten sich im März noch zwei weitere Tiere in den Himmel –Ziege Mara
und Schaf Felix in Simmern.
Heidschnucke Felix lag nachmittags für immer eingeschlafen auf der Weide, ihm war zuvor
überhaupt nichts anzumerken, er war erst neun Jahre alt, für eine Heidschnucke eigentlich
überhaupt kein Alter. Aber manchmal ist es eben so, dass Tiere sich urplötzlich von alleine
verabschieden. Das ist immer sehr traurig, aber aus für uns nicht erkennbaren Gründen wohl für
sie der Moment, in dem sich ihr Dasein erfüllt hat. Und das müssen wir akzeptieren.
Ziege Mara mussten wir einschläfern lassen, schon lange litt sie unter schwerer Arthrose.
Ein gutes Jahr lang konnten wir ihre Lebensqualität mit Hilfe der Tierärztin durch
entzündungshemmende Spritzen erhalten, aber nun wollte Mara nicht mehr und sie zeigte
es uns deutlich, indem sie nicht mehr aufstehen wollte, obwohl die Tierärztin sie noch
einmal mit allen möglichen Medikamenten versorgt hatte.
Am 27.03. fand die alljährliche ordentliche Mitgliederversammlung in Drolshagen statt.
Die Vereinsvorsitzenden wurden für ihre Arbeit in 2010 wie immer einstimmig entlastet.
Aufgrund der Wirtschaftskrise sah der Geschäftsbericht für 2010 bezüglich der Spendenlage leider
- wie wohl bei allen gemeinnützigen Organisationen- alles andere als rosig aus.
April 2011
Schutzengel für Tiere setzt sich ja eigentlich „nur“ für das Wohl der sogenannten „Nutz“-Tiere“
ein, um sich nicht zu verzetteln, denn es ist selten gut, wenn jemand versucht, alles zu machen.
Hängebauchschweine zählen strenggenommen nicht wirklich zu den „Nutz“-Tieren“, weil aber auch
sehr viele dieser kleinen Schweine immer wieder ihr Zuhause verlieren, leben bei uns inzwischen
auch insgesamt fünf solcher Schweine.
Drei von ihnen in der Pflegestelle Schwefe bei Soest. Schon in der Vergangenheit haben wir die
Erfahrung gemacht, dass es nicht ideal ist, wenn Hängebauch- und große Hausschweine zusammen leben.
Der Unterschied bezüglich ihres Körpergewichtes ist einfach zu groß und eine WG birgt deshalb
deshalb Gefahren für die Hängebauchschweine.
Die Hausschweine, die locker 250 kg und mehr auf die Waage bringen und somit auch über eine
große Leibesfülle verfügen, lassen sich oft wohlig seufzend irgendwo zum wohlverdienten
Schläfchen nieder und merken erst, dass da schon jemand liegt, wenn das übersehene
Hängebauchschwein empört quiekt…
Die drei Hängebauchschweine Ewald, Gerda und Günter lebten auch erst nur mit dem arthrosekranken
alten Eber Alfred zusammen, der sich ihnen gegenüber immer nett verhalten hat. Aber wie das so
ist:
Im Herbst 2010 zogen fünf neue Schweine im Gehege nebenan bei den vier Kampfsauen Luise,
Sybille, Schnappi und Josy ein, wurden von denen aber gnadenlos gemobbt und mussten deshalb zu
Alfred und den Hängebauchschweinen umziehen. Sie müssen wissen, Schweine können so richtig
gemein sein, wenn sie erst mal jemanden auf dem Kieker haben. Eberhard zum Beispiel wurde keine
Viertelstunde nach seinem Einzug in die Suhle geschubst und ergriff dann jedes Mal
vorsichtshalber die Flucht, wenn sich eine der vier Sauen sich ihm auch nur näherte.
So gab es dann im Gehege der Hängebauchschweine plötzlich auch wieder ganz viele große
Hausschweine, was uns auf die Dauer großes Unbehagen bereitete.
Glücklicherweise war aber unsere Suse, die ehrenamtlich die Kontrollbesuche in unserer
Pflegestelle Schwefe durchführt, in diesem Frühjahr mit ihrer Familie, zu der auch
Hängebauchschweindame Letti gehört, umgezogen und ihr riesiger Garten ist ein wahres
Paradies für kleine Schweine. Sie erklärte sich bereit, Pflegestelle zu werden und Ewald,
Gerda und Günter aufzunehmen, bevor die drei „unter die Räder kommen“.
Die neue Heimat von Ewald, Gerda und Günter ist bei Kamen, nur etwa 20 Minuten von Schwefe
entfernt.
Anfang April war es auch noch nicht so warm wie zur Zeit, bei heißem Wetter sollte man gerade
Schweine, die ja ein sehr empfindliches Herz-Kreislaufsystem haben, nämlich auf keinen Fall
transportieren.
Mit Nudeln und Geduld waren die drei auch ziemlich schnell auf den Anhänger gegangen und
erleichtert fuhren wir los, denn in der Regel ist bei einem Transport alles im Lot, wenn
das Tier streßfrei auf den Anhänger gegangen ist.
Aussteigen tun die meisten Tiere in der Regel doch fast von alleine.
In Kamen angekommen, öffneten wir also erwartungsvoll die Anhängerklappe und…
uns tönte dreistimmiges Schnarchen entgegen.
Auch Letti stand schon erwartungsvoll mit an der Rampe, um die Neuankömmlinge in Augenschein
zu nehmen.
„Ok,“ sagten wir uns, „ist ja schön, dass die Drei offenbar den Transport nicht als Streß
empfunden haben und sogar dabei eingeschlafen sind. Ist ja auch gerade die Zeit, wo sie
immer Mittagsschlaf halten, also lassen wir sie in Ruhe wach werden und aussteigen, wann
sie möchten.“ Wir gingen ins Haus, um eine Tasse Kaffee zu trinken.
Nach fast einer Stunde tauchte Letti dann an der Terrassentür auf und guckte grunzend ins
Wohnzimmer, als wollte sie sagen:“ Ihr müsst mir helfen, ich kriege diese Schlafmützen nicht
wach!“
Zurück am Anhänger immer noch dasselbe Bild: Drei schnarchende Hängebauchschweine! Auch das
Geraschel mit der Zwiebacktüte machte sie nicht munterer.
Überall ratlose Gesichter, bei uns Zweibeinern und auch bei Letti.
Da Petra auf dem Rückweg nach Hause auch noch Strohballen laden musste, und der Bauer sicher
kein Verständnis für eine stundenlange Verspätung wegen schlafender Schweine hatte, mussten
wir die drei sanft wecken und zum Aussteigen bewegen. Es war nun auch warm geworden und so tat
es den Schweinen ganz gut, vorsichtig mit Wasser aus der Gießkanne besprenkelt zu werden.
Das hat bisher auch noch jedes Schwein zum Aufstehen bewegt, wobei nach unserer Erfahrung die
kleinen Hängebauchschweine meistens entschieden sturer sind, als ein großes Hausschwein.
Anders rum wär es auch sehr ungünstig.…
Nach dem Aussteigen gab es dann von Betreuerin Suse erst mal zur Entspannung Knäckebrot für alle.
Dann wurde die neue Umgebung erkundet, zuerst recht mißtrauisch beäugt von Letti.
Die etwas zickige Schweinedame schlief in der ersten Nacht quer im Eingang ihres Stalles,
wohl damit die Neuankömmlinge gleich merken sollten, wer die Chefin ist…
Schweine sind sehr territoriale Tiere und können, wie schon so manches neu aufgenommene
Schwein erfahren musste, zu neuen Artgenossen richtig gemein sein. Hier lief aber alles
glimpflich ab, wahrscheinlich auch, weil Ewald, Gerda und Günter ja gleich zu Dritt Einzug
hielten.
Am Ostersamstag beteiligten wir uns mit einem Infostand und Tombola am veganen Frühlingsfest
Vegan Spring in Hannover.Nähere Infos hier: www.vegan-spring.de
Netterweise führten drei engagierte Frauen zusätzlich einen Trödelverkauf für den guten Zweck durch. Wir durften uns zusätzlich über die Hälfte des Gesamterlöses von immerhin € 260,- freuen.
Nochmals vielen herzlichen Dank für den Einsatz! Außerdem bedanken wir uns bei Studentin Marie und zwei weitere Helfer, die bei Aufbau
und Standbetreuung geholfen haben.
Mai 2011
Die langandauernde Trockenheit machte uns langsam große Sorgen, auf den Wiesen wuchs kaum Gras.
Der Klimawandel schien förmlich in der Luft zu liegen - und ein starker Anstieg der Heu- und Strohpreise war zu
befürchten.
Wir können auch in guten Jahren schlecht Heu und Stroh auf Vorrat einkaufen, weil es sich nicht
ewig hält und es braucht auch viel Lagerfläche, die bezahlt werden muss.
Am 14.Mai beteiligten wir uns mit einem Infostand und Tombola an der Veranstaltung "Meine Stimme den Stimmlosen"
auf dem Roncalliplatz in Köln (direkt neben dem Dom). Eine großartige Kulisse, leider aber sehr windig.
Es war eine Tierrechtsveranstaltung ähnlich dem Vegan Spring in Hannover mit köstlichem veganen Essen und
einem Solidaritätsmarsch für die sogenannten "Nutz"-Tiere.
Veranstalter waren die Organisationen Tier-Time e.V. und Schüler für Tiere e.V.
Eine sehr gelungene Veranstaltung, die hoffentlich immer mehr Nachahmer findet. Herzlichen Dank an unsere ehrenamtliche Helferin
Dagmar für die tatkräftige Hilfe beim Auf-/Abbau und der Standbetreuung! Hier können Sie ein Video von der Veranstaltung anschauen:
www.youtube.com/watch?v=wS-fzVAFDso
Trauer um Flora - am 23.Mai müssen wir die alte Schweinedame im - für eine ehemalige Zuchtsau- absolut biblischen Alter von
mindestens 12 Jahren einschläfern lassen. Schon lange hatte sie einen dicken Bauch, der auf Wasseransammlungen aufgrund von Herzinsuffizienz
oder evtl. auch auf einen Lebertumor schließen ließ. Aber Flora war trotzdem noch lebensfroh gewesen und ihr Appetit gesegnet.
Nun aber schlugen die Aufbauspritzen nicht mehr an und sie zeigte uns deutlich, dass es Zeit war, sie in den Schweinehimmel zu verabschieden.
Flora war die letzte von insgesamt sieben Sauen, die im Frühling 2003 aus einem Zuchtbetrieb am Niederrhein beschlagnahmt wurden.
Sie hatten Schreckliches durchgemacht, denn der offenbar psychisch gestörte Bauer hatte seine ursprünglich 50 Sauen nicht mehr gefüttert - nur noch Bärbel, Biene, Blümchen, Erika, Flora, Marie und Monja lebten, als das Veterinäramt
tätig wurde. Als sie damals über den Bund gegen den Mißbrauch der Tiere zu uns kamen, hätten wir nicht zu hoffen gewagt, dass alle sieben noch mehrere Jahre bei uns
sein würden, nachdem sie so gut wie verhungert waren. Hier ein besonders schönes Foto von Flora (im Vordergrund) und ihren Freunden vom Sommer 2009:
Herzlichen Dank an unsere Betreuerin Suse, die der zuletzt dünn gewordenen Flora immer Nudeln kochte,
weil die alte Schweinedame sie so sehr liebte.
Duroc-Schwein Daggy ist erst sieben Monate alt und hat in ihrem jungen Leben schon viel mitmachen müssen. Erst lebte sie bei
einer Frau, die leider von Schweinefütterung keine Ahnung hatte und Daggy fatalerweise als junges Ferkel mit Müsli für Pferde
ernährte. Die Folge war ein Darmverschluß, mit dem Daggy als Notfall in einer Eifeler Tierarztpraxis landete.
Dank des beispiellosen Einsatzes der Tierärztin und ihres Teams überlebte Daggy und da ihre Besitzerin sie glücklicherweise auch
nicht wiederhaben wollte, blieb Daggy zunächst in der Obhut der hochengagierten Tierärztin.
Leider haben aber auch Duroc-Schweine die unangenehme Angewohnheit, schnell zu wachsen und so musste eine neue Bleibe für Daggy
gefunden werden. Ein Vermittlungsversuch über die Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" erschien zunächst erfolgversprechend, eine
Familie im Sauerland nahm Daggy als Gesellschaft zu ihrem Hängebauchschwein auf.
Leider war das Glück aber nur von kurzer Dauer, denn nach drei Monaten verließ der Vater seine Familie und die Tiere auf Nimmer
Wiedersehen. Wie verantwortungslos kann man sein??
Der armen Frau und ihrem Sohn tat es in der Seele weh, Daggy zurückgeben zu müssen, aber sie waren mit der Versorgung überfordert.
Seit dem 25.Mai lebt Daggy nun in unserer Pflegestelle Rehden in Niedersachsen und wird nun hoffentlich zur Ruhe kommen.
Sie ist übrigens nicht das erste Schwein, das als "Scheidungsopfer" in unsere Obhut kam...
Juni 2011
Drei mit der Flasche aufgezogene Wildschweine und ihre Besitzerin im
bergischen Land gerieten in große Not. Dort herrschte wegen der Schweinepest bei
Wildschweinen -wie in vielen anderen Landkreisen auch- Stallpflicht für Hausschweine.
Es ist kaum zu glauben, aber das zuständige Veterinäramt betrachtete ihre Wildschweine
als Hausschweine, weil die drei in menschlicher Obhut leben. Sie bekam die Auflage,
innerhalb von Tagen einen Stall zu bauen, sonst wären ihre Schweine von Amts wegen getötet worden. Ihr Grundstück hatte aber
Hanglage, sie konnte dort keinen Stall bauen und die Wildschweine hätten innerhalb kürzester
Zeit "am Rad gedreht". Das Foto zeigt Susanne - eine der Wildschweindamen.
Die Stallpflicht im bergischen Land wurde schon vor mindestens zwei Jahren angeordnet. Damals
wurde die Schweineliebhaberin durch ein Versehen der Behörde aber nicht angeschrieben. Eigentlich
hatte sie also schon Glück gehabt, aber auch nicht im Traum damit gerechnet, ihre Wildschweine
auch einsperren zu müssen.
Anfang 2012 soll die Stallpflicht auch wieder aufgehoben werden, weil es schon lange keine Fälle
von Schweinepest mehr gab. Aber das Veterinäramt ließ nicht mit sich reden und bestand auf
Erfüllung der Stallpflicht.
Die junge Frau beschloss, eine neue Bleibe für sich und ihre Schweine zu suchen - in einem
Landkreis, der nicht (mehr) von der Aufstallpflicht betroffen ist. So etwas war aber nicht von
heute auf morgen zu finden - und wohin solange mit Susanne, Pinsel und
Bürste?
Unsere Pflegestelle Rehden verfügt über einen großen Laufstall und wir beschlossen,
den drei Schweinen vorläufig "Asyl zu gewähren", nachdem ein Bluttest ergeben hatte,
dass sie definitiv keine Schweinepest haben. So konnten sie vor dem sicheren Tod bewahrt werden.
Ein herzliches Dankeschön an unseren Betreuer, Herrn Ritter, der dafür klaglos viel Mehrarbeit
auf sich genommen hat. Und an unsere Schweine, die während dieser Zeit ebenso klaglos ihr
Futter vom Boden gefressen haben anstatt aus den komfortablen Trögen im Stall.
Es gibt im Freigehege selbst aber auch Schlafhütten für den Sommer, wirklich gefehlt hat ihnen
durch die drei borstigen Gäste also nichts. Die Besitzerin der Wildschweine konnte inzwischen mit
ihren Schweinen auf ein geeignetes Grundstück mit Wohnhaus in Rheinland-Pfalz umziehen - "Bürste,
Pinsel und Susanne" sind nun in Sicherheit.
Mitte Juni fand wieder der Umwelttag in Hagen statt, bei dem wir schon
im vergangenen Jahr zusammen mit den Allerweltstierfreunden für das Catering gesorgt hatten.
Schon letztes Jahr spielte das Wetter überhaupt nicht mit - der Dauerregen verscheuchte alle
Besucher und verhinderte nennenswerte Umsätze.
Man sollte ja in allem das Positive sehen: Diesmal schüttete es schon aus Kübeln, als wir
auf dem Platz ankamen und zwei Pavillons anderer Aussteller waren bereits durch Sturmböen
kaputt gegangen. Die Veranstaltung fiel ins Wasser.
So sparten wir uns diesmal zumindest die Zeit für den Auf- und Abbau und konnten den Rest
des Tages sinnvoller nutzen.
Und die Familie unserer ehrenamtlichen Helferin und Patin Suse hatte vierzehn Tage lang
Paella zu essen (die wollten wir eigentlich auf dem Umwelttag anbieten…)
Ende Juni gelang es, vier Ziegenmädchen und einen Bock bei Bremen vor dem besonders schrecklichen Tod durch Schächten zu retten. Sie dürfen für immer auf einem Resthof bei Osnabrück bleiben.
Ein sehr engagiertes Paar hatte sich auf einen Zeitungsbericht hin bei uns gemeldet und den Platz angeboten.
Herzlichen Dank dafür an Silke und Andy!
Nach dem trockenen Frühling schien der Sommer mit Regenrekorden aufwarten zu wollen
und wir sahen mit Bangen den vor der Türe stehenden Patentreffen entgegen...
Juli 2011
Am 3.7. fand das erste Patentreffen des Jahres in Schwefe statt.
Bei sehr kühlem, aber immerhin trockenem Wetter.
Eine Familie war wieder extra aus dem Taunus angereist, um ihren Rudi 2
mit Leckereien zu verwöhnen.
Es ist gut, dass man nicht weiß, was kommt, denn eine Woche später verabschiedete sich
vollkommen unerwartet unsere Dunja 2 in den Pferdehimmel. Noch zwei Wochen vorher, bei der
Tollwut-Impfung, lobte der Tierarzt ihren für ihr hohes Alter von 32 Jahren erstaunlich
guten körperlichen Zustand.
Der Tierarzt war schnell zur Stelle an diesem traurigen Sonntag, dem 10.7., als wir Dunja mit
einer offensichtlichen Kolik liegend auf der Weide fanden. Nach einer Infusion kam sie
aber schnell auf die Beine und hatte abends wieder normale Verdauung.
Auch ihre Körpertemperatur, die sonntags nachmittags zu niedrig war, stieg in der Nacht wieder
an in Richtung Normaltemperatur, so dass wir fest davon überzeugt waren, dass sie sich auf dem
Weg der Besserung befand.
Niemand rechnete damit, dass sie am nächsten Morgen innerhalb von Minuten unter Schweißausbrüchen
sterben würde. Mit Hilfe der Tierkommunikatorin fanden wir heraus, dass ihr ein versteckt auf
der Weide gewachsener, tödlich giftiger Fingerhut zum Verhängnis geworden sein musste. Lange
rätselten wir, warum sie die Pflanze gefressen hat, obwohl noch reichlich leckeres Gras vorhanden
war und sie täglich zusätzlich Heu fressen konnte. Normalerweise meiden nämlich gerade alte,
lebenserfahrene Tiere Giftpflanzen instinktiv. Wir werden es nicht mehr erfahren und haben nur
den Trost, dass Dunja es immerhin über ein Jahr so richtig schön bei uns hatte. Das Dezemberbild
unseres Kalenders für 2012 haben wir dieser außergewöhnlichen Pferdedame gewidmet, die so genau
wusste, was sie wollte und vor allem, was sie nicht wollte. So werden wir sie in Erinnerung behalten.
Auch wenn es schwer fiel, zur Tagesordnung überzugehen - am 17.7. fanden die Patentreffen in Wachtendonk und
auf dem Pferdeschutzhof Korschenbroich am Niederrhein statt.
In Wachtendonk wurde von den Paten unser mittlerweile 17 Jahre altes Rind Annemarie bestaunt.
Und Eseldame Jolly eroberte die Herzen im Sturm…
Auf dem Pferdeschutzhof hatten inzwischen fleißige Helfer dafür gesorgt, dass alle auch bei Regen
im Trockenen Kaffee trinken konnten.
Ein Pate wollte unbedingt die Schubberbürste von unserer Viola ausprobieren, denn er hatte sie
uns gespendet. Vielen Dank dafür!
Am 19.07. kam die Pferdedentistin zur Zahnkontrolle bei allen Pferden.
Eine Woche später gab es im sauerländischen Iserlohn eine hoffnungsvolle
Premiere - die VEGANMANIA. Zitat von der Veranstaltungs-Website (www.veganmania.at):
"Veganismus und Sauerland - das sind jetzt nicht direkt Gegensätze, aber der gemeine
Sauerländer feiert einmal im Jahr Schützenfest und ist ansonsten ein eher introvertierter
und bodenständiger Typ. Aber: Veganismus und das Sauerland trafen aufeinander und:
Sie scheinen sich zu mögen!!!"
Wir müssen gestehen, dass wir selbst auch allergrößte Zweifel am Gelingen der VEGANMANIA
im Sauerland hatten. Trotzdem wagten wir das Experiment, erstmalig auch Essen bei
einer solchen Veranstaltung anzubieten - vegane Paella. Und: Den Iserlohnern hat es
geschmeckt!
Herzlichen Dank an die ehrenamtlichen Helferinnen Barbara und Dagmar und vor allem
auch an Michael Siethoff von der Tierschutzpartei für den Mut, die VEGANMANIA durchzuführen.
Ende Juli zog die Rheinländer Stute Tabaluga auf
dem Pferdeschutzhof in Korschenbroich ein. Anderenfalls wäre sie aus finanziellen Gründen
vorzeitig eingeschläfert worden. Ein trauriger Fall - der Turniersport hat die Sehnen ihrer
Vorderbeine auf dem Gewissen. Dank orthopädischen Hufbeschlages wird Tabi aber hoffentlich noch
einige schöne Jahre bei uns verbringen können - sie ist erst 16 Jahre alt.
Am 31.7. fand das Patentreffen bei unseren Schafen und Ziegen im Hunsrück statt.
August 2011
Am 14.08. beteiligten wir uns wieder mit einem Info- und Verkaufsstand
am Veggie Street Day in Dortmund.
Traurige Nachricht aus der Pflegestelle Schwefe:
Die erst acht Jahre alte Schweinedame Babe 1 verabschiedet sich über Nacht in den Schweinehimmel. Sie war einige Tage zuvor beim Kontrollbesuch noch wirklich fit, aber es geht eben nicht immer der Reihe nach…
Wir werden unsere Babe so in Erinnerung behalten:
Immer gut gelaunt…
…und an der Seite von ihrem Freund Rudi 2
Der wird nach Babes Tod von seiner jungen Freundin Maren getröstet. Sie erklärt ihm, dass Babe wohl
gegangen ist, damit Flora (die im Mai gestorben war) nicht so allein im Schweinehimmel ist...
Am 28.August fand in der niedersächsischen Pflegestelle Rehden das Patentreffen statt.
Kuhdame Elfie-Aleika war in ihrem Element, denn endlich trauten sich mal genug Zweibeiner zum Abschlecken
auf ihre Weide!
Eine unserer treuesten Patinnen, Frau Doll, hatte wieder ungeheuer fleißig Kerzen mit
Serviettentechnik verziert und für den Verkauf mitgebracht. Die Kasse klingelte dann auch kräftig
zugunsten der Patentiere - vielen herzlichen Dank, auch im Namen unserer Schweine, Gänse und Rinder!
Herzlichen Dank auch an unseren treuen Kassenprüfer und Paten Sebastian, der auch dieses Patentreffen
wieder fotografisch begleitet hat!
September 2011
In diesem Jahr verließen uns leider mehrere Schweine - am 07.September lag unser
Amadeus in der bayrischen Pflegestelle Monheim traurigerweise morgens bei der Fütterung tot im
Stall. Auch er wurde "nur" acht Jahre alt.
Als Todesursache wurde Herzversagen vermutet, da Amadeus sich leicht aufregte.
Glücklicherweise hatte Amadeus zwei Freunde - Amanda und Waldemar. So blieb nun nicht ein Schwein
alleine zurück, denn das Vergesellschaften von Schweinen ist nicht so einfach.
Endlich stabilisierte sich das Wetter, so dass das schon lange vorbereitete
Freigehege für die Schweine in Monheim eingeweiht werden konnte.
Hannibal und Nero waren die ersten, die dort einziehen durften.
Manchmal ist es gut, abzuwarten, denn im Juni gab es eine heftige Windhose über Monheim mit
vielen Sachschäden. Mensch und Tier war Gott sei Dank nichts passiert, aber wir wollten gar
nicht daran denken, wie es ausgegangen wäre, wenn schon Schweine im Freigehege gewesen wären…
Am 11.September fand dann das Patentreffen in Monheim statt, bei wirklich
schönem Wetter!
In der Pflegestelle Rehden zog ein neues Schwein ein - Maximus.
Er war ein Kümmerferkel und wurde von einer Tierfreundin im Münsterland aufgepäppelt.
Natürlich wollte sie ihn um jeden Preis vor der Schlachtung retten. Ein Platz war
glücklicherweise in Rehden noch frei.
Die Aufnahme von Maximus war nur möglich,
weil seine Retterin die volle Patenschaft übernommen hat, denn die Spendenlage ist
leider sehr schlecht. Unsere Einnahmen reichen nicht mehr aus, um die laufenden Kosten
zu decken. Vorläufig können wir die fehlende Summe mit unseren Rücklagen ausgleichen,
aber langfristig müssen die Patenzahlen dringend wieder deutlich steigen.
Heu, Stroh und Getreide sind wegen des trockenen Frühjahrs und dem
nassen Sommer zudem knapp und damit teuer geworden.
In diesem Herbst musste unser Vereins-Tier-Transporter neu gestrichen werden,
damit er uns weiterhin erhalten bleibt. Wegen der angespannten Kostensituation waren
wir sehr erleichtert darüber, dass Vereinsmitglied und gelernter Maler Martin
diese Arbeit tatkräftig ehrenamtlich übernommen hat. Vielen Dank!!
Oktober 2011
Am 03.Oktober hatten wir Grund zu großer Freude - denn uns wurde der
Tierschutzpreis der Hans-Rönn-Stiftung aus Düsseldorf verliehen. Er ist mit 3000 € dotiert.
Klingt viel, diese Summe deckt allerdings gerade mal ein Viertel unserer monatlichen Kosten…
Nähere Infos und unsere Dankesrede können Sie bei Interesse hier finden:
http://www.hans-roenn-stiftung.de/preistr/2011/2011.html
Danach holte uns schnell der rauhe Alltag wieder ein - zwei vermittelte
Pferde kamen zu uns zurück: Raymond und Cornel.
Ray brachten wir zunächst in die Pflegestelle Holzwickede zu unserer Haflinger-Stute
Linnea. Herzlichen Dank an Betreuerin Katharina, die sich sofort bereit erklärte, auch Ray
-ehrenamtlich- zu betreuen. Er ist erst acht Jahre alt und wird hoffentlich noch einmal
ein neues Zuhause finden. Bis dahin suchen wir allerdings dringend Paten für ihn!
Cornel brachte gleich ein zweites Pferd mit - seinen Kumpel Nando. Der lebte schon bei der Frau,
an die wir Cornel 2009 vermittelt hatten.
Sie erkrankte leider und konnte die Pferde nicht mehr versorgen. Cornel und Nando hingen sehr
aneinander, wir konnten deshalb nicht nur Cornel mitnehmen und Nando seinem Schicksal überlassen.
Nando war aber schon 28 Jahre alt und nicht unproblematisch (ein ehemaliges polnisches Kutschpferd).
Es schien sich aber alles gut zu fügen - denn das Paar mit dem Resthof bei Osnabrück (wo schon
die vier Ziegen eine Heimat gefunden hatten) erklärte sich bereit, Cornel und seinen Freund aufzunehmen.
Also brachten wir Cornel und Nando Anfang Oktober aus dem Siegerland nach Melle bei Osnabrück.
An dieser Stelle herzlichen Dank an das Autohaus Giebeler in Drolshagen, das uns dafür
einen Geländewagen als Zugfahrzeug unentgeltlich zur Verfügung stellte!
Das Paar nahm die beiden Pferde wohlgemerkt auf eigene Kosten auf, obwohl Nando nicht mehr
reitbar war. Silke und Andy vielen herzlichen Dank dafür!
Der nächste Notfall liess aber nicht lange auf sich warten - der 12 Jahre
alte Eber Alfred in Schwefe fühlte sich nicht mehr wohl, wurde von einem Tag auf den anderen von den
Schweinen in seiner Gruppe gemobbt. Schweine können gnadenlos fies zueinander sein!
Unsere ungemein tatkräftige Suse, die schon Ewald, Gerda und Günter für uns aufgenommen
hat, erklärte sich spontan bereit, auch Alfred ein neues Zuhause zu geben.
Also siedelten wir am 16.Oktober unseren Alfred von Schwefe nach Kamen um. Zwar soll
man alte Bäume nicht mehr verpflanzen, aber manchmal geht es eben nicht anders.
An dieser Stelle herzlichen Dank an Gabi, Svenja und Ursula, die mit unendlich viel Geduld
halfen, Alfred ganz langsam und völlig stressfrei mit reichlich Nudeln vor der Nase auf den
Anhänger zu bringen. Von Alfreds Umzug gibt es keine Fotos, denn niemand hatte mehr eine Hand
zum Fotografieren frei…
Ein herzliches Dankeschön an Suse und besonders auch ihren Mann Stefan, der den Ausflug
von Alfred, Ewald, Gerda und Günter aus dem Gehege in den Garten (und die damit einhergehenden
Verwüstungen) mit großer Fassung trug…
Ende Oktober wurde unser Kalender für 2012 fertig - an dieser Stelle unserer
Manuela vielen Dank, die sich wie immer professionell um das Layout gekümmert und die Daten
druckfertig an die Druckerei geliefert hat.
Am letzten Oktoberwochenende beteiligten wir uns mit einem Info- und Verkaufsstand am
Umweltmarkt in Korschenbroich (bei unserem Pferdeschutzhof). Erstmals backten wir Waffeln,
um die Vereinskasse für die Tiere aufzubessern. Unserer erfahrenen Waffelbäckerin Dagmar
herzlichen Dank!Und natürlich auch Jacqueline, Manuela, Renate und Susanne, die bei Aufbau bzw.
Standbetreuung geholfen haben. 440 € flossen an diesem Tag in die Kasse. Ein herzliches
Dankeschön auch an Iris, die Betreuerin unseres Pferdes Illusion in der Pflegestelle Sonsbeck.
Sie hatte uns- neben vielen anderen Sachpreisen- auch ihr neuwertiges Fahrrad für die Tombola
gespendet.
November 2011
Dieser Monat sollte wieder einmal zeigen, wie dicht Freud und Leid,
Leben und Tod beieinander liegen.
Die Pferde Cornel und Nando waren nun seit vier Wochen in ihrem neuen Zuhause, und man
konnte traurigerweise zugucken, wie Nando von Tag zu Tag immer "stinkstiefeliger" wurde.
Vorbesitzerin Kirsten hatte bei der Abgabe auch davor gewarnt, denn als Nando vor 18 Jahren zu ihr kam,
zeigte er ein hochaggressives Verhalten - Attacken im vollen Galopp und gebleckten Zähnen. Kirsten war
nicht sicher, ob ein Umzug (gerade in diesem hohen Alter von 28 Jahren) nicht die alte Verhaltensweise
wieder auslösen könnte.
Aber sie musste sich krankheitsbedingt leider von den Pferden trennen. Also musste es versucht
werden, Nando noch einmal an neue Bezugspersonen und Umgebung zu gewöhnen. Wir hatten die Hoffnung,
dass es funktionieren würde, weil Nando ja zumindest mit seinen Kumpel Cornel zusammen bleiben
konnte - die beiden lebten schon seit zwei Jahren sehr glücklich bei Kirsten zusammen.
Es ist normal, dass Pferde in neuer Umgebung zunächst ihre typischen Verhaltensweisen nicht zeigen,
da sie sich noch nicht sicher fühlen. In den ersten vier Wochen war Nando auch ganz friedlich gewesen,
auch der Besuch von Hufschmied und Tierarzt waren kein Problem.
Andy und Silke versorgten die beiden Pferde wirklich äusserst liebevoll, aber Nando wurde von Tag
zu Tag aggressiver, er trat und biss, leider auch seinen Freund Cornel.
War Nando abends im Stall (die Pferde können rein und raus, wie sie möchten), sprang er mit
Schwung gegen die Boxenwand, wenn Silke den Stall betrat. Schließlich erwischte er Andy
am Kopf, als der ihm abends die Regendecke ausziehen wollte. Glücklicherweise ohne ernsthafte
Folgen, aber nun musste gehandelt werden, um Schlimmeres zu verhindern.
Wir riefen Nandos Vorbesitzerin an, die sich trotz ihrer Krankheit ins Auto setzte, um die Pferde
zu besuchen und den neuen Besitzern Tipps für den Umgang mit Nando zu geben.
Wir waren dann erst ziemlich böse auf sie, weil sie viele entscheidende Dinge vergessen hatte,
mitzuteilen, als sie Nando abgab. So etwas darf, Krankheit hin oder her, nicht passieren.
Zum Beispiel liebte Nando Eukalyptusbonbons über alles, Pferdedecken und Putzen dafür
hasste er.
Und in den ersten vier Wochen hatte es natürlich keine Eukalyptusbonbons gegeben, dafür aber
fast jeden Tag Körperpflege und eine Regendecke wegen des nasskalten Wetters.
Silke und Andy hatten es (zu) gut gemeint.
Nandos Vorbesitzerin Kirsten übte mit Silke und Andy das Führen von Nando und gab Nando
eindringlich zu verstehen, dass er sich benehmen müsse. Rührend zu sehen war, wie Nando
sich gefreut hatte, seine Vorbesitzerin wiederzusehen. Der Abschied fiel beiden nicht leicht.
Er war leider für immer.
In den nächsten Tagen zwang Silke sich, Nando nicht zu "betüddeln", sondern ihn - abgesehen von
Fütterung, nun auch mit Eukalyptusbonbons- weitgehend zu ignorieren.
Kam Nando auf sie zu, hob sie die Arme und stampfte mit dem Fuß auf (damit signalisiert man
Pferden, dass man im Rang über ihnen steht).
Und siehe da: Es funktionierte. Nando attackierte nicht mehr und verhielt sich auch seinem
Freund Cornel gegenüber wie früher. Alle Zwei- und Vierbeiner auf dem Hof entspannten sich
und atmeten auf. Auch Nando schien zufrieden zu sein, hatten die Zweibeiner doch offenbar
endlich begriffen, was er alles nicht wollte.
Aber leider wendete sich das Blatt wieder und zwar dramatisch.
Am Morgen des 27.11. -eine Woche, nachdem seine Vorbesitzerin ihn besucht hatte- attackierte
Nando Silke mit angelegten Ohren und gebleckten Zähnen auf den Hinterbeinen stehend, als sie
vor die Scheunentüre trat.
Wenn ein Pferd von 700kg Gewicht sich auf die Hinterbeine stellt, wird es lebensgefährlich.
Ein Schlag mit dem Vorderhuf wäre für Silke vermutlich tödlich gewesen. Zu unser aller
Erleichterung konnte sie sich aber unverletzt in die Scheune retten.
Zuvor, als Nando anfing, agressiv zu werden, hatten schon zwei Tierkommunikatorinnen mit ihm
gearbeitet - nach ihnen hatte Nando "telepathisch" auch getreten. Angesprochene Pferdetrainer und
Tierärzte waren sich einig - ein 28 Jahre altes Pferd lernt nicht mehr, sein Verhalten zu ändern.
Silke und Andy waren am Ende ihrer Kräfte und hatten nun -vollkommen verständlich- wirklich
Angst vor Nando. Sobald ein Tier das spürt, ist ein gefahrloser Umgang mit ihm kaum mehr möglich.
Im Büro von Schutzengel für Tiere bekam Petra Magenschmerzen, wenn die Tel-Nr. von Melle
im Display erschien. So konnte es nicht weitergehen, alle waren in ihrem Tun wie gelähmt.
Lange hatte sich niemand getraut, es auszusprechen, aber es gab keinen anderen Weg, als Nando
einschläfern zu lassen.
Noch nie zuvor mussten wir ein Tier töten lassen, weil es eine Gefahr darstellte - gerade für
einen Tierschutzverein ist das eine furchtbare Situation und ganz besonders natürlich auch
für Silke und Andy. So hatten sich die beiden das Ganze nicht vorgestellt und waren tieftraurig.
Aber der Tierarzt erklärte uns, dass wir auch Nando keinen Gefallen tun würden, ihn weiterleben
zu lassen, da er bei jeder Attacke sich so sehr aufregte, dass er vermutlich über kurz oder lang
einen Herzschlag erlitten hätte.
Er hatte sicher recht - Jeder von uns war in seinem Leben sicher schon einmal sehr wütend,
es geht einem dann nicht gut. Und Nando bekam diese Wutattacken mehrmals täglich:
Jedem, der sich dem Hof näherte, drohte Nando schon von weitem mit gebleckten Zähnen, er
war wie ein Wachhund.
Dasselbe Verhalten hatte Nando auch vor 18 Jahren bei seiner Vorbesitzerin an den Tag gelegt,
aber ihr war es gelungen, das abzustellen, weil sie die erste Person war, bei der es Nando gut
ging. Damals war er allerdings auch erst sechs Jahre alt (und lernfähig), heute, mit 28 Jahren,
leider nicht mehr.
Er muss gedacht haben, dass Silke ihn Kirsten weggenommen hatte, denn ihr gegenüber war er noch
viel aggressiver als bei Andy.
Am letzten Tag ließ sich Silke gar nicht mehr bei den Pferden sehen, damit Nando sich nicht
aufregen musste. So traurig, wie es war - das war das Einzige, was sie noch für ihn tun konnte.
...
Am 28.11. wurde Nando eingeschläfert.
Der Tierarzt hatte sich darauf eingestellt, ihn mit dem Narkosegewehr betäuben zu müssen, aber das
war nicht notwendig. Nando blieb ganz ruhig stehen, als der Tierarzt auf ihn zu kam, als ob er
wusste, was passiert. Ließ sich spritzen und legte sich langsam hin. Er starb mit dem Kopf
in Andys Armen.
Der arme Andy war anschließend natürlich fix und fertig, aber Nando hatte mit seinem Verhalten
deutlich gezeigt, dass die Entscheidung richtig war. Er wollte ohne seine Vorbesitzerin einfach
nicht mehr leben, denn sonst hätte er auch den Tierarzt angegriffen. Nando war ungeheuer
intelligent.
Vor dem Umzug hatte Petra die beiden Pferde bei ihrer Vorbesitzerin noch besucht, da hatte sich
Nando ihr gegenüber vollkommen freundlich verhalten und die Vorbesitzerin hatte auch bestätigt,
dass es bei ihr seit Jahren keinerlei Probleme mehr mit ihm gegeben hatte.
Es war also einen Versuch wert, Nando mitzunehmen und niemand sollte sich Vorwürfe machen -
hinterher ist man bekanntlich immer schlauer…
Nandos denkwürdiges Ende bedeutete aber für ein anderes Pferd die Rettung, das war für alle
ein Trost.
Dezember 2011
Cornel war von Nando in den vergangenen Wochen eigentlich fast nur vom Futter
verjagt und gebissen worden. Man hätte also annehmen können, dass er ganz gern ein paar Tage
alleine geblieben wäre, aber ein Pferd ist nun mal ein Herdentier. Cornel trauerte sehr.
Zwar durfte er tagsüber zu den Nachbarspferden auf die Weide, aber abends in seinem Stall
wirkte er schon sehr traurig.
Silke und Andy verbrachten zwar so viel Zeit wie möglich mit ihm - ein Pferd konnten sie
aber natürlich nicht ersetzen.
Einige Tage vor Nandos Tod hatte uns der Hilferuf für die Stute Roxi errreicht:
Sie war als Reitpferd verkauft worden, die neue Besitzerin stellte aber beim Reiten sofort
Lahmheit fest. Der Tierarzt diagnostizierte Spat, eine Arthroseerkrankung der Sprunggelenke
an den Hinterbeinen). Roxy durfte nicht mehr geritten werden.
Deshalb sollte ihre frühere Besitzerin Roxi zurücknehmen und den Kaufpreis erstatten.
Diese leistete aber den Offenbarungseid (sie war also -angeblich- pleite). Damit die Käuferin
von Roxi wenigstens einen Teil des ursprünglichen Kaufpreises von 6000 € zurückbekam, sollte
Roxi meistbietend versteigert werden.
Für ein nicht reitbares Pferd interessiert sich in der Regel leider ernsthaft nur der
Pferdemetzger…
Roxi hatte aber unfassbares Glück: Die zuständige Gerichtsvollzieherin und ihr Lebensgefährte
sind große Tierfreunde und ersteigerten Roxy selbst!
Anschließend schenkten sie Roxy Schutzengel für Tiere e.V.. Wir danken den beiden herzlich dafür,
vor allem im Namen von Roxi und Cornel.
Es ist kaum zu beschreiben, wie der sich freute, als Roxi am 10.12. endlich in der Zipfelschmiede (so heißt der Hof,
wo er zu Hause ist) aus dem Anhänger stieg - sein trauriges "Witwer"-Dasein hatte ein Ende.
Von Cornel war natürlich überhaupt kein Verständnis dafür zu erwarten, dass aus rechtlichen Gründen
zwischen Pfändung und Versteigerung von Roxi eine gewisse Frist einzuhalten war. Nun aber ist seine
Welt wieder in Ordnung.
Allein der PC in der Zipfelschmiede stellte sich dann quer - deshalb haben wir leider noch kein
Foto von Cornel und Roxi bekommen. Auch das gedrehte Video von Roxis Ankunft konnte noch nicht bei Youtube
hochgeladen werden. Es kann sich aber nur noch um Tage handeln...
Gleichzeitig rührten wir wieder Waffelteig an, denn am 10. und 11. 12. fand der
zweite vegane Weihnachtsmarkt in Hannover statt.
Das uns von der Pflegestelle Monheim geschenkte Schwein...
...und der uns von Patin und ehrenamtlicher Helferin Nicki geschenkte Hund machten auf unseren
Waffelverkauf aufmerksam.
Mit Erfolg, den insgesamt nahmen wir an den beiden Tagen knapp 700 € zugunsten unserer Patentiere ein!
Ein herzliches Dankeschön an die beiden Patinnen Ursula und Angelique, die beim Aufbau und der Standbetreuung
tatkräftig geholfen haben! Außerdem an Petrus, der für das richtige Wetter gesorgt hatte.
Und nicht zuletzt natürlich an den Veranstalter, der vom Erlös € 215,- an Schutzengel für Tiere gespendet haben.
Wir kommen gerne im nächsten Jahr wieder nach Hannover.
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